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vom 20.06.2007 - Seite 021



KUNST: Kuriosa von Maeda in der neuen Galerie von Simone Feichtner in Linz


Der bitterböse Affenschmetter

Von Irene Judmayer

Putzig schaut es aus, das Afferl mit den bunten Schmetterlingsflügeln. Wie es so
dasitzt auf dem bestickten Brokatpolster und an der Blüte schnuppert! Heißt ja
schließlich auch "süße Kreaturen", diese Ausstellung der japanischen Künstlerin
Haruko Maeda (*1983) in der neuen Linzer Galerie Simone Feichtner (Hirschgasse).

Fast ist man schon versucht, zum nächsten Bild zu schlendern, als irgendetwas die
Optik irritiert Blüte? Wie? Und man reißt den Kopf zurück, und nichts ist's mit "süß":
Der auf den oberflächlichen ersten Blick vermeintlich "putzige" Affenschmetter zerreißt
in Wirklichkeit einen Schmetterling. Und nicht den ersten, wie man beim Näherkommen
schnell sieht: Auf dem asiatischen Kissen sammeln sich schon weitere Flügel- und
Körperfetzen.

Zwischen minimal, aber wirkungsvoll verschobenen Köperproportionen und Mixturen
von Tieren unterschiedlicher Art entspinnt sich da ein bemerkenswerter bildnerischer
Kosmos. Er mag zwar an die apokalyptischen Visionen eines Hieronymus Bosch ebenso
erinnern wie an die perfekten Wesensmontagen eines Arcimboldo, ist aber doch wieder
so völlig anders. Denn Haruko Maedas sehenswerte großformatige Gemälde schöpfen
ihren Ursprung unzweifelhaft aus der japanischen Tradition (etwa auch der Lackmalerei)
und spielen zugleich mit Erscheinungen der Gegenwart. So persifliert Maeda hier auch
den Umgang der Japaner mit ihren Haustieren und der Liebe zu kuriosen Züchtungen.
Als hätten sich Tamagotchi-Wesen mit echten Tieren gepaart und uns dabei bösartige
Wolpertinger ins 21. Jahrhundert hineingeboren.

Die in Japan (2002 bis 2004) und seit 2005 an der Linzer Kunstuniversität bei Ursula
Hübner Malerei studierende Künstlerin gibt hier eine beachtliche Probe ihres großen
Talents ab. Ihre virtuose Technik ist dabei ebenso bezwingend wie ihre doppelbödige,
irritierende Fabulierkraft. Ein echter Tipp für Sammler!

Info: bis 27. Juni; Di-Fr 13-18, Sa 12-16 Uhr; www.galeriesimonefeichtner.com